
KUPFER ÄTZEN
Das
Ätzen von Kupfer ist möglich. Kupfer ist ein Element und hat als
alleiniges Metall eine rötliche Farbe. Nur das Gold hat als
metallisches Element neben dem Kupfer eine Farbe aufzuweisen. Kupfer
bietet gute Leitfähigkeit für elektrischen Strom und für Wärme. Daher
kommt Kupfer in elektrischen Kabeln, in Leiterbahnen oder in
Wärmeleitern zum Einsatz.
Bei Dächern mit Kupferblechdeckung bildet sich an der Oberfläche eine
beständige grünliche Patina. Durch diese Patina wird das
darunterliegende Metall gut vor weiterer Korrosion geschützt, so dass
Kupferdächer eine Lebensdauer von mehreren Jahrhunderten erreichen
können. Bei Zugabe von Legierungselementen wird die
Deckschichtbildung noch gefördert.
Viele Legierungen wie Messing, Bronze und Neusilber beinhalten Kupfer.
Kupferlegierungen werden wegen ihrer guten Eigenschaften (Farbe,
Korrosionbeständigkeit, Preis, Verarbeitbarkeit) vielfältig eingesetzt.
Dabei werden zwei Arten von Legierung unterschieden: Knetlegierungen
(sie können bei Normaltemperatur gut mechanisch verformt werden) und
Gußwerkstoffe (z.B. Neusilber. Messing).
Kupfer ätzen mit
Eisen-(III)-chlorid
Eisen-(III)-chlorid ist giftig.
Wenn Sie mit Säure oder Eisen-(III)-chlorid arbeiten, müssen Sie zu Ihrem Schutz Gummihandschuhe und eine Schutzbrille tragen.
Eisen-(III)-chlorid bekommt man in Stücken in Apotheken, Drogerien oder
im Fachhandel. Es darf auf keinen Fall in Papiertüten oder in anderen
Behältnissen, die sich bei Feuchtigkeit auflösen gelagert werden. Grund
hierfür ist die hygroskopische (oder auch wasseranziehende) Eigenschaft
des Eisen-(III)-chlorids. Besser geeignet zur Aufbewahrung sind
Behältnisse oder Flaschen aus Glas oder Kunststoff. Ungeeignet sind
hingegen Dosen oder Gefäße aus Metall und auch Metalldeckel auf
Gläsern, das Eisen-(III)-chlorid wirkt ätzend auf Metalle.
Wichtig: keine Reinigungsmittel oder andere Chemikalien dürfen in die
Lösung gelangen. Dabei kann gefährliches Chlorgas entstehen, das als
chemischer Kampfstoff gilt.
Ansetzen
Zwischen 35° Bé und 42° Bé liegt das günstigste Lösungsverhältnis. In
den Betrieben wird die Eisen-(III)-chlorid-Lösung der Salpetersäure und
dem holländischen Bad vorgezogen, da sich bei diesen Verfahren wegen
der unterschiedlichen Wärmeentwicklung beim Ätzen die Ätzergebnisse
nicht genau steuern lassen. Allerdings kann beim Verwenden von
Eisen-(III)-chlorid der Ätzvorgang nicht optisch verfolgt werden, so
dass für den künstlerischen Bereich die anderen Ätzlösungen eher
geeignet sind, auch wenn die Ergebnisse nicht dem Vergleich mit einem
hochwertigen Vier-Farb-Druck standhalten.
Methode von Preissig: 36°, Verhältnis 1:1
Eine halb so konzentrierte Lösung wird von Preissig vorgeschlagen. Für
Kupfer wird eine Lösung von 36° Bé im Verhältnis 1:1 mit Wasser verdünnt
Methode von Krejca: 32-34°
Krejca ätzt mit Eisen-(III)-chlorid in einer Konzentration zwischen 32°
Bé und 34° Bé. Die Ätztemperatur soll dabei 24°C betragen. 2 kg
zerstossenes Kristallsalz werden dabei in 1 Liter Wasser aufgelöst.
Technischer Tiefdruck: 42° oder 34°
Die Technischen Tiefdruckereien arbeiten mit Eisen-(III)-Chlorid-Lösung mit 42° Bé (oder verdünnt auf 34° Bé).
Zur genauen Bestimmung des Eisen-(III)-Chlorid-Gehalts (oder auch des
Frischegehalts der Lösung) kommt ein Acidometer (elektronisches
Messgerät) oder ein Aräometer (Anzeige der Dichte der Lösung in ° Bé)
zum Einsatz.
Vorätzen
Krejca empfiehlt ein Vorätzen, damit das Ätzverfahren gleichmäßig
verläuft. Die Platte wird dabei für einige Zeit in eine verbrauchte
Eisen-(III)-Chlorid-Lösung getaucht.
Eigenschaften von Eisen-(III)-Chlorid
Eisen-(III)-Chlorid ätzt Kupfer 3,8 mal stärker in die Tiefe als in die
Breite. Daraus folgt, daß der Ätzfaktor von Kupfer und
Eisen-(III)-Chlorid 3,8 beträgt. Der Ätzfaktor bei Zink beträgt
2, bei Zink ergeben sich dabei breitere und nicht so tiefe Ätzlinien.
Chemischer Ablauf mit Eisen-(III)-Chlorid
Aus der Reduktion des Wasserlöslichen Eisen-(III)-Chlorids zu
wasserunlöslichem Eisen-(II)-Chlorid entsteht bei der Kupferätzungein
brauner Kupferoxidschlamm. Dieser Schlamm schlägt sich in den geätzten
Linien und Punkten nieder und verhindert bzw. verzögert so die weitere
Ätzung.
Neben Eisenhydroxid entstehen Salzsäure und basisches Eisenchlorid beim Lösen des Eisen-(III)-Chlorids.
Die Eisenchloridlösung enthält auch Oxidationsmittel wie Fe(OH)3 und
Fe(OH)Cl2, die den Kupfer angreifen und Kupferoxid bilden, das dann von
der Salzsäure gelöst wird. Aus dem dreiwertigen FeCl3 entsteht dabei
das zweiwertige FeCl2.
Duch das Eisenchlorid FeCl2 und das Kupferchlorid CuCl2 nimmt die
verbrauchte Lösung eine grünliche Färbung an. Die verbrauchte Lösung
enthält CuCl.
Verbesserung des Ätzvorganges
Damit die Ätzung beschleunigt werden kann, muss der sogenannte
Ätzschlamm (Kupferchlorid, das beim Ätzen entsteht) von der Platte
entfernt werden. Dies geschieht durch eine ständige Bewegung der
Ätzwanne oder durch Abstreifen mit einem kleinen Pinsel. Das Verfahren,
die Platte umgekehrt in die Wanne zu legen, hat den Nachteil, daß der
weitere Ätzvorgang nicht beobachtet werden kann und dies zur
Lackbeschädigung führen kann.
Um die Bläschen oder den Ätzschlamm von der Platte zu entfernen,
empfiehlt Lohmann, einen Bausch Glaswolle oder eine Hühnerfeder zu
verwenden. Das Kupferchlorid bleibt in Lösung, wenn man 10%
Salpetersäure hinzugibt.
Die Linien erscheinen tiefer als sie tatsächlich geätzt sind, weil sie
sich beim Ätzen schwarz färben. Daher lässt sich der ätzvorgang schwer
beurteilen. Duch kurzes Eintauchen in wässrige Salpetersäure kann der
Schleier entfernt werden. Dabei müssen unbedingt Schutzhandschuhe
getragen werden.
Beim Ätzen in Tiefdruckanstalten wird die Lösung entweder von unten
(aus Düsen) gleichmäßig auf die Platte gesprüht oder mit Schaufeln auf
die Platte gespritzt. In anderen Anordnungen fliesst die Lösung
permanent an der Platte herab.
Damit die Ätzung gleichmäßig verläuft, kann man die frische Ätzlösung
mit 1%igem Ammoniak oder mit Kupferspänen neutralisieren. Dabei können
die Eisenchlorid-Kristalle manchmal einen Überschuß an reiner Salzsäure
enthalten und als frische Lösung aggressiv ätzen. Passiert das, können
die Ätzzeiten nicht mehr kalkuliert werden.
Beim Ätzen kann die Temperatur einen spürbaren Einfluß auf den
Ätzvorgang nehmen. Dabei ätzen warme Bäder intensiver, während kalte
fast gar nicht ätzen. Wird ein temperiertes Bad mit kontrollierter
Bewegung und Eisen-(III)-Chlorid verwendet, kann der Ätzverlauf genau
gesteuert werden. Bei 40° C arbeitet die Ätzlösung am besten. Die
Ätzwanne kann zum Temperieren in eine größere Wanne mit warmem Wasser
gestellt werden.
Die Ätzlösung ist verbraucht, wenn sich ihre Farbe verändert. Dabei
zeigt die frische Lösung eine orange Färbung, die verbrauchte Lösung
ändert ihre Farbe in Grün.
Kupferätzung mit Salpetersäure
Sicherheitshinweise
Beim Arbeiten mit Salpetersäure nur im Freien, bei offenem Fenster oder unter einem Abzug ätzen.
Hintergrund sind giftige Stickoxid-Gase, die sich beim Ätzen mit Salpetersäure bilden können.
Außerdem sollte beim Verdünnen der Säure immer die Säure in das Wasser
geschüttet werden. In der umgekehrten Reihenfolge spritzt die Säure
nach einer kurzen und heftigen Reaktion heraus und kann im schlimmsten
Fall die Augen verletzen.
Hinweise zur Salpetersäure:
Salpetersäure ätzt weniger in die Tiefe, also breiter als
Eisen-(III)-Chlorid. Da Salpetersäure scharf ätzt, erhält die
Strichätzung einen faserigen Charakter. Eisen-(III)-Chlorid ätzt im
vergleich ruhiger und gleichmäßiger. In manchen Empfehlungen werden
beim Ätzvorgang mit Salpetersäure die aufstegenden Bläschen ständig mit
einer Vogelfeder entfernt, damit die Ätzung durch die Säure gleichmäßig
geschehen kann. Allerdings kann dabei unerwünschtes Material in die
Säure gelangen, was dazu führt, das der Ätzvorgang nicht mehr
kontrollierbar ist. Eine vorteilhaftere Methode besteht darin, gerade
so viel Säure in die Schale zu geben, dass die Platte bedeckt ist und
das Ätzbad hin und her geschaukelt werden kann. Dabei gilt: Je höher
die Säure über der Platte steht, desto stärker ist die Wirkung des
Ätzens.
Weitere Tips zur Ätzlösung:
Ätzwasser, das bereits benutzt wurde, ätzt stärker als frisch
angesetztes Ätzwasser. Indem man ein Bad mit frisch angesetztem
Ätzwasser eine gewisse Zeit in die Sonne stellt oder Metallspäne
hinzugibt, kann man das frische Ätzwasser aktivieren.
Wenn eine Ätzlösung zu lang nicht benutzt wurde, kann sie an Wirkung
verlieren. Sie kann durch Hinzugeben eines Schusses konzentrierter
Salzsäure wieder aktiviert werden. Ein Zeichen für eine zu
konzentrierte Salpetersäurelösung sind sehr große Bläschen. Bei einer
Strichätzung kanndas zu ungleichmäßigen Ergebnissen führen.
Zur Kontrolle sollte die Platte ab und zu aus der Ätzlösung genommen und die Ätztiefe mit einem Fadenzähler gemessen werden.
|